Die Arbeit mit Glas war der Einstieg für meinen künstlerischen Werdegang. 1993 begann ich mit der Gestaltung von Wand-, Fenster-, Türverglasungen, Decken- und Wandleuchten. Bald wurde mir das Bauen von Lampen nach Luis Comfort-Tiffany zu wenig. Ich widmete mich mehr und mehr dem Bau eigener Kreationen und kombinierte das Material Glas mit dem Material Metall. Füße, Sockeln oder Rahmen aus Metall betonten den Ausdruck der Glasleuchtobjekte.

In der alten aufgelassenen Sägeblattfabrik „Wüster Hallen in Pitten“ baute ich mein Atelier aus, der es notwendig machte mich nach der Kälte der Glas-Eisen-Zeit die mich mit der vielfältigen Bearbeitungsweise von Holz auseinanderzusetzen. In dieser Zeit begann ich auch mit täglichen Körperübungen, die die Balance von Körper, Geist und Seele förderten und stärkten. Ein morgendliches Ritual, das ich bis heute beibehalten habe und zusehends mein künstlerisches Schaffen beeinflusst und trägt.

Parallel zum Atelierbau arbeitete ich an einem Malprojekt mit mehrfach behinderten Menschen. Nach langen Phasen handwerklicher Tätigkeiten und des Kennenlernens verschiedenster Materialien, begann mich die Malerei zu interessieren. Alles um mich und in mir entschlüsselte ich als Farbkompositionen, Schattierungen, Striche und Punkte, die ich in abstrakte Bilder übersetzte.

Fast zur gleichen Zeit begegnete ich dem Medium Film, das mein Auge schärfte und mir half, die Fähigkeit zu entwickeln, bewegte Bilder miteinander in Beziehung zu setzen und so wiederum neue Bilder entstehen zu lassen.

1999 erfolgte meine erste Ausstellung in den Wüster Hallen in Pitten. Meine Bilder präsentierte ich in einem musikalischen Rahmen. Mehr und mehr wurde es mir ein Bedürfnis, Bilder nicht als Kunstobjekt per se zu zeigen, sondern sie mit ihrem Umfeld und mit meiner Person als Kunstschaffender in Beziehung zu setzen. Diese Beziehung zwischen Kunstschaffender als Urheber und als Kunstobjekt an sich weckte mein Interesse. Ich stieg als Mitglied der freien Theatergruppe Theater ohne Boden ein, um das Medium ‚Person’ in seiner Ausdrucksfähigkeit zu verfeinern. Zu den Mitteln der bildenden Kunst lernte ich die Ausdrucksmittel Körper und Sprache kennen. Ich verband den sehr körperlichen Prozess, eine Theaterfigur zu entwickeln mit der Malerei am Beispiel von Portraitstudien. Das heißt zum einen benützte ich ‚Farbe’ und die bildnerische Darstellung, um mich den Theaterfiguren anzunähern, zum anderen war der Findungs-Prozess der Theaterfigur das Medium für die Vertiefung des Portraits. Auf diese Weise entstand eine Balance zwischen dem sehr körperlichen Ausdruck einer Rolle und der bildhaften, zweidimensionalen Darstellung. In dieser Zeit entstand die Vision eines Gesamtkunstwerkes: verschiedene Ausdrucksmittel miteinander zu verbinden, unterschiedliche KünstlerInnen zusammen zu führen, und so einen Austausch auf werkstofflicher, geistiger und philosophischer Ebene zu fördern und unterschiedlichste Zielgruppen damit anzusprechen und zu erreichen.

Die Vision materialisierte sich im ersten groß angelegten Kunst-Projekt ‚Loftlinx“ 2001 – Loft steht für Kunst und –linx für Verlinkung also Kunstverlinkung, organisiert vom Verein punctum, dessen künstlerischer Leiter ich bin. Vier KünstlerInnen aus zwei unterschiedlichen Richtungen und acht TheaterperformerInnen fanden sich in dem ehemaligen Fabriksgelände der Wüster Hallen in Pitten für das einwöchige Projekt zusammen.

Im Jahr 2002 erblickte am 3. September mein Sohn Leonidas Josef Amandus die Welt, dieses Ereignis veränderte meinen Lebensrhythmus und meine Lebenseinstellung maßgeblich und beeinflusste auch rückblickend mein weiteres Kunstschaffen. Das Folgeprojekt Loftlinx 2003 mit dem Thema „Manipulationen“ konzipierte ich für sieben bildende KünstlerInnen aus vier unterschiedlichen Richtungen und 12 PerformerInnen. Dieser Prozess wurde auf Film festgehalten und im Folgejahr als Dokumentation präsentiert.

2004 trennte ich mich vom Verein punctum und ging meinen eigenen künstlerischen Weg weiter, der sich in der Serie: „Symbolische Reduktion“ manifestierte. Mit der Ausstellung und Performance “ Symbolische Reduktion“ wird der Maler im besten Sinne eines Gesamtkunstwerkes zum Performer. Walter leo Handler untersucht das Zusammenspiel von der Aktion des Malens und der Aktion der Körper-Bewegung, geht der Frage nach, wie seine Symbole in der Malerei ihr Äquivalent im Körperausdruck finden- sowohl im energetischen als auch symbolischen Sinne. In der „körpersymbolischen Performance“ wird das Gemalte zur Bewegung, die wiederum den Impuls zur Malerei setzt – beides findet in der Leere die Vollendung. Der Besucher wird aktiv in das Geschehene mit einbezogen und erhält so einen Einblick in den Schaffungs- Akt. Mit der „körpersymbolischen Reduktion“ geht der Maler und Performer auf eine metaphorische Reise zu den Ursprüngen seiner Kunst. (Pressetext )

Mit der Symbolischen Reduktion begab ich mich auf die Suche nach meinem spirituellen Wesen und fand 11 Symbole. Ich reduzierte sie aufs Wesentliche und erarbeitete ein vielschichtiges Strukturenbild, welches alle Symbole enthält “ ALL INCLUSIVE“. Dieses war und ist die Grundlage jedes einzelnen Bildes. Gemeinsam mit der Tänzerin und Choreografin Minou Graf entwickelte ich ausgehend von den Symbolen „SOLO FÜR ELF“ Dieser Tanz inspirierte mich zu einem Großformatbild 200 x 400 cm mit dem Titel „SOLO FÜR ELF“.

Diese Art der Auseinandersetzung, in deren Mittelpunkt die gegenseitige Inspiration unterschiedlicher Kunst- bzw. Ausdrucksformen steht, war auch Thema in der Musik-Performance-Mal-Projekt „Klangfarbe Farbenklang“ in der Pittener Bergkirche mit den Anthropos Quartett. Die Musiker wurden in Farbspiele getaucht, die zu den Klängen ihrer Musik entstanden. Gleichzeitig wurde der Mal-Akt durch den Künstler auf die Musiker projiziert, und die Musik wiederum bestimmte den Akt des künstlerischen Schaffens.

Der Einsatz verschiedener Kunstformen kam auch bei Animationsprogrammen für unterschiedliches Publikum zum Tragen. Zum einen bei einem Firmen-Auftragswerk, einer Kick-Off Veranstaltung für 120 Personen, bei dem ich Percussion gemeinsam mit Malerei einsetzte. Zum anderen bei Bewegungs-, Rhythmus- und Figuren-Animationen für Kinder. Vor allem in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen wurde mir bewusst, wie viel Ressourcen in der Möglichkeit, sich über Bewegung, Körper, Rhythmus und Malerei auszudrücken liegen. Daraus entwickelte ich die Performance „Narando – der Baum“ , ein Projekt zum Thema „Gesundheit Aktiv: Ernährung – Bewegung – Luft“ (weckt das Vertrauen unserer Kinder auf ihre ureigenen Sinne), das das Rhythmische, das Körperliche also Darstellende und Malerische miteinbezieht und in Kindergärten und Volksschulen eingesetzt werden kann.

Im September 2008 folgte die Ausstellung „ Schrei in mir“ – im Wasserturm zu Favoriten – eine Reihe von Bildern, in deren Mittelpunkt der Versuch steht, starke Emotionen als Quelle für den Akt des Malens zu benützen und reproduzierbar zu machen.